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"Stasi Ballade"

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Interpretation zu „Die Stasi-Ballade“ von Wolf Biermann

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Rund um die Uhr überwacht zu werden – eine schreckliche Vorstellung. Genau dies erfährt das lyrische Ich in dem Gedicht „Die Stasi-Ballade“.

In dem Gedicht „die Stasi-Ballade“ von Wolf Biermann aus „Klartexte im Getümmel“, geschrieben 1990 wird eine Überwachung durch die Stasi geschildert.

Es beschreibt, wie die Stasi-Mitarbeiter ihre Opfer unter egal welchen Umständen ohne Unterbrechung kontrollieren. Sie wissen alles. Da alles festgehalten wird, können diese das lyrische Ich am besten einschätzen.

Das Gedicht zeigt, dass man auch unter schwierigen Umständen sein Leben weiterführen kann ohne den eingeschlagenen Weg zu verlassen.

Die Ballade ist in zwei Strophen mit je 10 Versen gegliedert. Es liegt ein durchgehender Paarreim vor. Als Metrum erkennt man einen Trochäus. Das lässt die Ballade ein wenig traurig klingen, was auch zu dem behandelten Thema passt.

Dennoch ist es mit viel Ironie versetzt. Das Gedicht wirkt dadurch verspottend in Bezug auf die Stasi-Mitarbeiter. „mit den armen Stasi-Hunden“ (V.2) ist ein Beispiel dafür. Das lyrische Ich bemitleidet die Menschen nicht wirklich. Direkt nach den Worten „Menschlich fühl ich mich verbunden“ (V.1), werden die Leute von der Staatssicherheit in Vers 2 als Hunde bezeichnet und beleidigt. Sie werden mit Hunden verglichen, da  sie Befehle empfangen und ausführen, wie Hunde. Diese Metapher hat eine sehr starke abwertende Wirkung. Es wird angedeutet, dass die Spitzel selber lieber eine andere Tätigkeit ausführen würden als anderen hinterher zu spionieren. Das erkennt man an „auf mich achten müssen“. Sie führen Befehle aus ohne näher darüber nachzudenken. An Vers 8 wird durch eine Aufzählung sehr deutlich, wie viel für Fremde uninteressante Informationen die Stasi-Mitarbeiter täglich zu hören bekommen. „und zu hören all die lauten Lieder, Witze, leisen Flüche“ (V.7,8) „Auf dem Klo“ (V.8) verdeutlicht die Ununterbrochenheit der Kontrolle. Es gibt keinen persönlichen Rückzugsbereich mehr. Die letzten beiden Verse werden eingeleitet durch einen Gedankenstrich. Sie fassen die vorherigen acht Verse kurz zusammen. Die Stasi-Mitarbeiter werden hier mit „Brüder“ angesprochen. Das kann einerseits abwertend ironisch gemeint sein oder es bezieht sich darauf, dass sie die Opfer genauso gut kennen wie Familienangehörige.

Aufgrund der vielen Zeilensprünge, zum Beispiel „die bei Schnee und Regengüssen mühsam auf mich achten müssen“ (V.4,5) gleicht das Gedicht der normalen Sprache. Dadurch ist es leicht zu verstehen.

Im letzten Vers der ersten Strophe und im ersten der zweiten findet man jeweils „ihr allein“ am Versanfang. Diese sprachliche Verbindung unterstreicht den inhaltlichen Zusammenhang der beiden Strophen.

 Ansonsten ist die zweite Strophe ähnlich wie die erste aufgebaut. Enjambements findet man auch hier viele. „leidenschaftlich zart und wild  unsrer großen Sache gilt“ (V.14,15) Sie erzeugt die Wirkung wie oben beschrieben. Mit „unsrer großen Sachen“ ist die DDR gemeint, keiner sollte und durfte dem Führer widersprechen. Die Worte zeigen aber auch, dass er nicht grundsätzlich alles an der DDR schlecht findet. Er möchte an der Gestaltung mitwirken. An Vers 16 und 17 („Worte, die sonst wärn verscholln bannt ihr fest auf Tonbandrolln“) erkennt man erneut, dass wirklich jedes Detail festgehalten wurde. Um im Rhythmus zu bleiben gibt es hier im Gegensatz zu allen anderen Versen nur acht anstatt sieben Hebungen. Abends singt das lyrische Ich oft Lieder. Natürlich hört auch die Staatssicherheit diese. Heimlich singen auch die Mitarbeiter der Staatssicherheit die Lieder von Wolf Biermann. Beruflich müssen sie Unkenntnis vortäuschen, was durch die Verse 18 und 19 deutlich wird. „Hin und wieder singt im Bett ihr meine Lieder“. Besonders ironisch sind wieder die beiden Verse „dankbar rechne ich euch‘s an: die Stasi ist mein Eckermann“ Natürlich ist das lyrische Ich ihnen nicht wirklich dankbar, dass sie sich wie Sekretäre verhalten. Mit dem Ende der ersten Strophe wechselt die Redesituation.  „mit den armen“ (V.2) „die bei … achten müssen“ (V.4,5) Danach werden die Personen direkt mit „Brüder der Sicherheit (V.9) angesprochen, „bannt ihr fest“ (V. 17) Am Ende findet man dann erneut die Perspektive vom Anfang „die Stasi ist mein Eckermann“. Damit bildet sich ein Bogen  zum Anfang.
Bei der Stasi-Ballade handelt es sich, wie der Titel bereits ausdrückt um eine Ballade. Es erzählt eine Geschichte, welche dramatische Abschnitte enthält.

Das Gedicht stimmt den Leser nachdenklich. Man erkennt sehr deutlich welche große Last eine solche Überwachung für den Überwachten darstellt. Es wird gezeigt, dass es dennoch möglich ist unter einer solchen schweren Situation zu leben, weiterzumachen. Seinen Weg nicht verlassen, seine Gedanken offen äußern-dazu wird angeregt. Damit hat es auch heute an Wirkung nicht eingebüßt. Es wäre auch ein guter Einstieg in ein entsprechendes Thema zur DDR in einem Geschichtsbuch.

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