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Behindertenverbund Leipzig

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Das Signet findet ihr unter folgendem Link:

www.vereine-leipzig.de/userpath/uf_19_1272465623_Logo_VektorKopie.jpg


Die Integration von Menschen mit Behinderung in unsere Gesellschaft – ein oft und kontrovers diskutiertes Thema, welches ich auch schon in meiner Rede in Deutsch angesprochen habe. Interessiert hat mich, wie sich Behindertenverbände in ihren Logos und Signets präsentieren. Besonders aufgefallen ist mir hierbei das Signets des Behindertenverbandes Leipzig.

Einander verstehen – eine Grundvoraussetzung zum gemeinsamen Leben von Behinderten und Nichtbehinderten – das möchte der Behindertenverband Leipzig mit seinem Signet ausdrücken.

 Das Signet unterteilt sich in drei Bereiche. Oben zentriert die Abkürzung für den Behindertenverband Leipzig BVL, in der Mitte das Bildzeichen und im unteren Bereich ein Schriftzug, der die Botschaft ausdrückt. Das Bildzeichen nimmt den größten Raum ein und zieht die Aufmerksamkeit auf sich.

 

Als Grundform für das Signet wurde ein abgerundetes Quadrat, in der Farbe Weiß mit schwarzem Rand, verwendet. Das Bildzeichen ist aus einzelnen Formen zusammengesetzt, aus denen sich deutlich zwei Menschen als Halbfigur, d.h. bis zur Taille, ergeben. Die rechte Figur ist aus einfachsten Formen zusammengesetzt: Kreis, Halbkreise, Quadrate und Dreiecke. Der Kreis steht für den Kopf. Der Oberkörper und die Arme bestehen aus insgesamt 22 Einzelteilen. Die zerstückelte Darstellung symbolisiert klar den Behinderten Menschen.

 

Die  linke Figur besteht aus nur fünf und damit deutlich weniger Teilen: dem Kopf als Kreis, dem Oberkörper als aufrechtes oben abgerundetes Rechteck, dem linken Arm als aufrechtes Rechteck- unten abgerundet, oben an einer Seite als Schulter abgerundet, ähnlich der rechte Arm, nur eingeknickt. Sie steht für den Nichtbehinderten.

 

Bemerkenswert ist, dass der Oberkörper und der rechte Arm des Behinderten kräftiger, breiter dargestellt sind als der Oberkörper und der linke Arm des Nichtbehinderten. Der Behinderte wird uns nicht schwach sondern als starke Persönlichkeit vorgestellt. Die Behinderung ist für uns sichtbar, aber noch deutlicher tritt die Stärke hervor. Er kann für uns eine große Hilfe sein. Unterstützt wird diese Wirkung durch die Farbwahl: schwarz und grau. Der Nichtbehinderte wurde im schwächeren grau dargestellt. Dadurch wirkt er sehr unwichtig und schwach. Kurz habe ich schon überlegt, ob durch die graue Person der Behinderte dargestellt wird. Man hätte das Grau dann nicht als Schwäche, sondern als Zeichen für die Behinderung sehen können. Aber die vielen Einzelteile der schwarz dargestellten Person stehen eindeutig für die Behinderung. Bereits bei der ersten Betrachtung fiel mir die Schwäche des Nichtbehinderten auf. Nur der linke Oberarm des Nichtgehandicapten wirkt kräftiger. Unsere Hilfe wird also doch gebraucht. Der Kopf ist in gleicher Größe, durch die schwächere Farbe aber auch nicht gleichberechtigt darstellt.

 

Beide Personen sind frontal abgebildet. Sie haken sich ein. Der Unterarm des Gehandicapten steht im Vordergrund. Es hält sich also fest an uns, er braucht uns. Aber wir müssen nicht seine Stütze sein. Wir müssen ihm nur etwas Halt geben. Gleichzeitig wirkt die Darstellung der Arme aber auch, als ob uns der Behinderte mitzieht, mitnimmt. Diese doppelte gegensätzliche Wirkung ist erstaunlich.

Die Figuren und die Schrift heben sich eindeutig vom weißen Hintergrund ab, wobei sich das Schwarz von Schrift und Behinderten noch stärker abhebt als das grau der zweiten Person. Die zweite Person geht als unwichtig „unter“.

 

Beide Personen stehen in der gleichen Ebene. Dadurch kann die Gleichberechtigung aber auch nicht wieder hergestellt werden.

 

Unter den beiden Figuren findet man zentriert den Schriftzug „einander verstehen, miteinander leben“, was die Hauptaussage des Signets sein soll. Die Konturen sind klar, nicht verschwommen. Das unterstützt, wie wichtig das Thema ist.

Die Menschen sollen aufeinander zu gehen. Verständnis ist die Grundlage für ein Zusammenleben! Miteinander Leben, nicht nur nebeneinander. Darum soll es gehen.

Einander verstehen, miteinander Leben-der Slogan ist kurz und sehr präzise mit einer sehr gelungenen Wortwahl. Er könnte zum Nachdenken und „Aufmerksam werden“ anregen.  

Aber das Bildzeichen wirkt stärker als die Schrift. Nach meiner Ansicht schafft das Bildzeichen gerade aufgrund der nichtgleichberechtigten Darstellung beider Personen eine Übermacht auf Seiten des Behinderten und Angst vor dem Behinderten auf der anderen Seite. Es schafft Distanz. Der Behindertenverband erreicht nach meiner Meinung das Gegenteil von dem was er erreichen wollte.

Das Zeichen sollte unbedingt geändert werden. Versuchen könnte man beide Figuren in der gleichen Farbe darzustellen. Für den Schriftzug könnte dann ein hellerer oder auch dunklerer Ton gewählt werden. Es muss auch nicht unbedingt schwarz/grau sein. Man müsste dann nochmals die Wirkung betrachten. Eine unterschiedliche Farbwahl führt wohl immer zur Hervorhebung einer von beiden Personen. Mit einer unterschiedlichen Farbwahl teilt man vorab den Personen Eigenschaften zu oder schwächt sie. Es geht aber gerade um die Hervorhebung des Gemeinsamen, um Berührungsängste auf beiden Seiten abzubauen. Die Veranschaulichung der Behinderung durch die unterschiedliche Zusammensetzung der Personen ist sehr gut gelungen, sollte aber der einzige Unterschied bleiben.  Sehr gelungen finde ich auch den Gesamtaufbau, d.h. die Anordnung der Bestandteile.